Die Spreu vom Weizen trennen

In den vergangenen Wochen wurde einmal mehr verdeutlicht, wie wichtig die Sorgfalt bei der Auswahl und die anschließende Überwachung von Anleihen ist. Die Qualität von Anleihen lässt sich nur dann ermitteln, wenn alle relevanten Informationen vorliegen. Anleiheprospekt, Bilanzen der letzten Jahre, Kreditresearchberichte u.a.m. müssen studiert werden. Nur dann ist auch eine Bewertung der Qualität zum Emissionszeitpunkt und eine anschließende Entwicklung der Güte möglich. Die Anleihe der Dürr AG wurde im September 2010 mit einem Zinskupon von 7,25% ausgegeben.

Das Emissionsvolumen betrug 150 Millionen Euro und wurde in der Folgezeit auf 225 Mio. Euro aufgestockt. Die Anleihe ist zum 28.09.2015 endfällig, kann aber gemäß Prospektangaben zum 28.09.2014 durch die Dürr AG gekündigt und damit vorzeitig zu 100% zurückgezahlt werden. Das KFM-Scoring brachte schon zum Zeitpunkt der Emission das klare Ergebnis, dass die Dürr AG ein solventer Emittent ist und über ein sehr gutes Chancen-/Soliditätsprofil verfügt.  Im Spätherbst 2013 zeigte das KFM-Scoring aber auch, dass die Zahlen des Unternehmens inzwischen so gut wurden, dass die „Gefahr“ einer vorzeitigen Rückzahlung bestand. Bei einem damaligen Kurs von 110% ein klares Verkaufssignal, denn bei Kündigung wären diese 10% Kursgewinn verloren.

Im KFM-Barometer hatten wir am 13.11.2013 auf diese Veränderungen hingewiesen.

Anleger der ersten Stunde konnten nicht nur jährlich (jeweils am 28.09.) 7,25 % Zinsen vereinnahmen, sondern bei einem Verkauf zu Kursen um 110,00% zusätzlich auch ein kräftiges Kursplus verbuchen. Die Rendite konnte bei einem vorzeitigen Verkauf auf über 8,00 % gesteigert werden.

Derzeit liegt der Kurs der Dürr Anleihe bei 104,00 % und die Rendite bei knapp 5,00%. Aber nur unter der Voraussetzung, dass die Anleihe erst zum 28.09.2015 zurückgezahlt wird. Nach der erfolgreichen Platzierung der neuen Anleihe in einem Gesamtvolumen in Höhe von 300 Mio. Euro zu einem Zinssatz von 2,875% ist das Risiko einer vorzeitigen Rückzahlung weiter gestiegen. Sollte die Dürr AG die Möglichkeit der vorzeitigen Rückzahlung zum 28.09.2014 nutzen, ist die Rendite bei Einstiegskursen um die 104,00% deutlich geringer. Wer bei den Kursen um 110% nicht verkauft hat, sondern die Anleihe nun bei ca. 104% noch immer hält, hat inzwischen einen Kursverlust von knapp 5,5% hinnehmen müssen. Kommt es zum 28.09.2014 zur vorzeitigen Rückzahlung, schmelzen auch die letzten 4% über Nennwert dahin wie das Eis in der derzeitigen Frühlingssonne.