Der Wind, das himmlische Kind

Die Energiegewinnung aus Wind und Sonne ist und bleibt unverzichtbarer Bestandteil einer zukunftsfähigen Energieversorgung, so der allgemeine weltweite Konsens. Technisch ist es heute inzwischen möglich, CO2 aus der Luft zu absorbieren und in Kohlefestkörperpartikel zu verwandeln. Diese Ideen stehen jedoch erst am Anfang und sind für die Eindämmung des Treibhauseffektes im Moment unwirtschaftlich.

Aktuell wird bereits ein Fünftel des weltweiten Strombedarfs durch Erneuerbare Energien gedeckt. Schätzungen gehen davon aus, dass sich dieser Anteil bis 2023 auf ein Drittel erhöhen wird.

Besonders wachstumsstark sind die Bereiche Photovoltaik und Wind. Zum weltweiten Wachstum und Ausbau der erneuerbaren Energien tragen nicht nur die zahlreichen internationalen und supranationalen Abkommen und Vorgaben zur Erreichung klimapolitischer Ziele bei. Auch viele Unternehmen setzen verstärkt auf Erneuerbare Energien. So haben sich beispielsweise bereits 154 internationale Unternehmen der RE100-Initiative angeschlossen. Ihre Mitglieder verpflichten sich, ihren Strombedarf in Zukunft zu 100 % durch Erneuerbare Energien zu decken. Insbesondere der Bereich der Windenergie wird in den kommenden Jahren deutlich ausgebaut. Gemäß Prognose des Global Wind Energy Councils („Market Forecast für 2018 bis 2022“) dürften die Erzeugungskapazitäten im Bereich der Windenergie bis 2022 weltweit auf nahezu 840 GW steigen. Etwas plastischer vermag das konservative Szenario der Internationalen Energie Agentur (IEA) in Wien die zukünftige Entwicklung zu vermitteln. Demnach wird 2040 weltweit viermal so viel Wind- und zehnmal so viel Solarstrom im Vergleich zu heute produziert werden.

Einen Windpark von der Idee bis zur Fertigstellung zu realisieren, benötigt drei bis fünf Jahre (im Vergleich: Solarparks benötigen 1,5 bis 2,5 Jahre). Der Prozess beginnt mit der Sicherung von Flächen. Für die weitere Entwicklung sind Fachgutachten zu erstellen, Windverhältnisse zu analysieren und in Deutschland schließlich die behördliche Genehmigung nach Bundesimmissionsschutzgesetz einzuholen. Diese Genehmigung ist notwendig, um an dem sogenannten Ausschreibungsverfahren (auch Auktionsverfahren genannt) überhaupt teilnehmen zu dürfen. Das seit Mitte 2017 praktizierte Auktionsverfahren, welches nun fast weltweit Anwendung findet, hat das bisherige System der Festvergütung für Stromeinspeisungen abgelöst. Der Grund ist, dass erneuerbare Energien aktuell auf dem Weg sind, kostengünstiger zu produzieren als herkömmliche Kraftwerke - natürlich zu Marktpreisen. In einigen Ländern (z.B. Ägypten) ist die Versteigerung auch ohne vorherige Genehmigung möglich.

Die Politik ist gefordert

In Deutschland müssen Bund und Länder die Voraussetzungen schaffen, damit wieder mehr Windparks genehmigt werden, so die Forderung der Windparkbetreiber bzw. Windparkbranche (z.B. Encavis AG oder ABO Wind AG). In den vergangenen Jahren sind viele Projekte in Genehmigungsverfahren gescheitert - oftmals an Naturschutz-Restriktionen. Um Anreize zu schaffen wäre es förderlich, wenn auch die Kommunen finanziell stärker von der Windkraftnutzung profitierten könnten. Es wird davon abgeraten, die Verfügbarkeit von für Windkraft geeigneten Flächen weiter zu begrenzen oder mit Höhenbegrenzungen den Strom aus Windkraft zu verteuern. In Finnland etwa sind Höhenbegrenzungen bisher unbekannt. Google z.B. versorgt sein Serverzentrum in Finnland mit Strom aus Windenergie mit derzeit ca. 220 m hohen Windrädern. In den nächsten Jahren werden im Land sogar Windräder mit bis zu 250 m Höhe installiert. Auch die technische Entwicklung der Turbinen schreitet voran. Es werden Turbinen für windschwache Regionen gebaut; ebenso wird der Schallschutz weiter optimiert.

In Deutschland sollen EEG Auktionen für Onshore - Anlagen künftig jährlich ca. 5.000 MW (2019: 3.800 MW) erreichen.  Aktuell sind an Land bundesweit rund 53.000 Megawatt Windkraft am Netz. Um den mittelfristigen Ausstieg aus der Atom- und Kohleenergie zu ermöglichen, ist ein jährlicher Zubau von mindestens 5.000 Megawatt Windkraft an Land notwendig. Auch um den Wegfall jener Windkraftanlagen zu kompensieren, die nach Auslaufen der 20-jährigen Vergütung in den kommenden Jahren sukzessive abgebaut werden. Nach dem Ende der 20-jährigen Förderung kann der Strom über die Börse weiterverkauft werden. Ebenfalls nach 20 Jahren ist i.d.R. ein erneutes Standsicherheitsgutachten erforderlich. Pachtverträge sollten deshalb mindestens eine Laufzeit von 20 Jahren haben. Im Übrigen ist der Lebenszyklus eines Windrades (wirtschaftliche Nutzungsdauer) bei ca. 25 Jahren anzusiedeln. Die so entstehenden freien Flächen können u.U. erneut für Windräder genutzt werden. Weitere 6.400 Megawatt sind derzeit in der Nord- und Ostsee, also offshore, am Netz. Windkraft an Land und auf hoher See zusammen decken derzeit 21% des bundesweiten Strombedarfs. Der Ausbau der Windkraft auf See sollte - so die Forderung der Branche - gesetzlich auf 20.000 Megawatt bis zum Jahr 2030 festgelegt werden.

Laut Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) sind die Gebiete für Offshore - Anlagen in der Nord- und Ostsee weitgehend festgelegt.

Die Ausschreibungskontingente beziehen sich auf die Nennleistung eines Windrades. Zur Veranschaulichung sei erwähnt, dass ein Windrad pro Stunde zwischen zwei und vier Megawattstunden (MWh) produzieren kann. Beträgt das Kontingent einer Ausschreibung z.B. 600 MW, können hierfür ca. 200 Windräder mit einer angenommenen Nennleistung von 3 MW errichtet werden. Bei optimalen Bedingungen produziert eine Windkraftanlage mit einer Leistung von drei Megawatt in einer Stunde also drei Megawattstunden Strom. Das entspricht dem Jahresverbrauch eines Zwei-Personen-Haushalts. Weiterhin ist zu erwähnen, dass erfahrungsgemäß die fiktive „Vollauslastung“ eines Windrades im Jahr 2.500 bis 2.800 Stunden beträgt gegenüber rechnerisch 8.760 Stunden im Jahr. Eine Windenergieanlage mit einer Leistung von drei Megawatt produziert an einem Standort mit für Deutschland durchschnittlichen Windbedingungen also jährlich rund 8,4 Millionen Kilowattstunden. Das ist genug Strom, um 2.800 Zwei-Personen-Haushalte jährlich zu versorgen.

Derzeitige Ausschreibungspraxis der Bundesnetzagentur (sogenannte Auktionen)

Seit dem 1. Mai 2017 führt die Bundesnetzagentur Auktionen durch, um den finanziellen Bedarf zur Förderung von Windenergieanlagen an Land zu ermitteln. Bei den Auktionen werden alle ab dem 1. Januar 2017 neu in Betrieb genommenen Anlagen mit einer installierten Leistung von mehr als 750 Kilowatt erfasst (ausgenommen davon sind Pilotwindenergieanlagen). Die Auktionen finden an im Voraus festgelegten Terminen, etwa vier- bis fünfmal pro Jahr, statt. Aus den Auktionsergebnissen der jüngsten Vergangenheit werden indikativ die Höchstzuschläge der kommenden Auktionen berechnet. Da den letzten Auktionen des Jahres 2018 aufgrund des zuvor großzügigen behördlicherseits bestimmten Volumens eine geringere Angebotsmenge gegenüberstand, stieg der durchschnittliche Zuschlagswert von 4,73 ct/kWh im Februar 2018 auf 6,26 ct/kWh zum 01. Oktober 2018.

Bei der Festlegung des Höchstwertes soll auch den Anlagen mit schlechteren Rahmenbedingungen eine Teilnahme ermöglicht werden, um den Wettbewerb nicht unnötig einzuschränken. Zur Ermittlung der künftigen „Höchstgebote“ der Auktionen für 2019 werden deshalb die erzielten Auktionsergebnisse der jeweils vergangenen drei Auktionen mit dem Faktor 1,08 interpoliert, trotz Ungewissheit darüber, wo der genaue Förderbedarf in Zukunft liegen wird bzw. aus der Rückschau betrachtet gelegen hat. Für die bereits terminierten fünf Auktionstermine für das Jahr 2019 liegt der Höchstwert bei 6,2 ct/kWh. Der Anstieg der Einspeisevergütung für Windanlagen an Land ist unter anderem auf die Aussetzung der EEG-Sonderregeln für „Bürgerwindparks“ (s.u.) bis zum 01. Juni 2020 zurückzuführen. Sofern sich die Genehmigungslage im Jahr 2019 günstiger als erwartet gestaltet und sich ein preissenkender Wettbewerb einstellt, werden die Zuschlagswerte wieder abnehmen, zumal § 85a Abs. 1 EEG ein generelles Absenken der Höchstwerte gesetzlich vorsieht.  Nicht ausgenutzte Kontingente bzw. Volumina werden automatisch drei Jahre später erneut ausgeschrieben. Das geringere Interesse an der vierten Auktion im Jahr 2018 führen die Branchenverbände vor allem auf schwierigere Genehmigungsprozesse im Vorfeld zurück. Nach der Auktion müssen die Projekte innerhalb von zweieinhalb Jahren verwirklicht werden.

Der Stromvermarktungsprozess

Der Vermarktungsprozess des EEG geförderten Stroms folgt eigenen Regeln. Die Bundesnetzagentur erstattet die Differenz zwischen dem an der Strombörse erzielten durchschnittlichen Verkaufspreis des vergangenen Monats in Relation zu dem maximal festlegten Höchstzuschlagspreis (sofern man zu diesem Kurs auch geboten hat) der jeweiligen Auktion als Förderzuschuss. Beispiel: Angenommen für den 01. Mai 2019 hat ein Anbieter in der Auktion zu dem Preis von 6,26 ct/kWh (s.o. - sofern man zu diesem Kurs auch geboten hat) den Zuschlag erhalten und der durchschnittliche Verkaufspreis für Strom an der Börse betrug 4,00 ct/kWh – die Differenz in Höhe von 2,26 ct/kWh wird von der Netzagentur erstattet.

Der zusätzliche wirtschaftliche Vorteil von EEG gefördertem Strom ist die privilegierte Einspeisung in das allgemeine Stromnetz. Das heißt, dieser Strom hat einen Vorrang bei der Einspeisung gegenüber Strom aus fossilen Brennstoffen oder Atomenergie. Das führte in einem Fall zu der Kuriosität, dass Stromunternehmen in einer Auktion unter Verzicht auf einen Förderzuschuss 0,00 ct/kWh geboten haben, nur um das Recht der vorrangingen Einspeisung in das allgemeine Stromnetz mit dem Prädikat „EEG Strom“ zu erhalten. Dies geschieht vor dem Hintergrund, dass der Windpark erst in einigen Jahren ans Netz gehen soll und der Betreiber, der mit steigenden Strompreisen rechnet, von diesen in der Zukunft am Markt ohne Einschränkung (Kürzung durch zu „geringen“ Zuschuss) profitieren könnte. Denn wenn das Netz überlastet ist und keinen Strom mehr aufnehmen kann, müssen z.B. Kohle- oder Gaskraftwerke abgeschaltet werden. Gaskraftwerke können im Gegensatz zu Kohlekraftwerken relativ schnell „hochgefahren“ werden.

Anders verhält es sich bei Atomkraftwerken. Da diese nur sehr langsam herunter- und hochgefahren werden können, haben sie immer Vorrang. Falls aber der Windenergieanbieter Atomstrom „weichen“ muss, erhält er eine Entschädigung von der Bundesnetzagentur, ohne tatsächlich einspeisen zu müssen. Eine weitere Motivation für den frühzeitigen Erwerb von Offshore-Lizenzen ist, dass die Anbieter von einem Anstieg der Strompreise bis etwa 2023 ausgehen. Aus Opportunitätsgedanken heraus kann aber auch ein antizyklisches Handeln sinnvoll sein. Wenn an einem prominenten Standort viel Wind weht wird auch viel eingespeist und der Strompreis fällt an der Börse. So gesehen kann es sinnvoller sein, Windparks an „ungünstigeren“ Standorten zu haben, um bei generell dann höheren Börsenpreisen einspeisen zu können. Zusätzlich sei erwähnt, dass i.d.R. nur der kurzfristige Strom an der Börse gehandelt wird. Der Marktanteil mag bis zu 20% betragen. Die längerfristigen Stromverträge - und das ist die Mehrheit - werden außerhalb der Börse meistens über Stadtwerke verkauft. Jeder erzeugte Strom wird jedoch überwiegend durch die allgemeinen Netze fließen, mit Ausnahme von privat verlegten Stromkabeln.

Der erzeugte Strom wird heutzutage von den Windparkbetreibern teilweise auch auf Basis eines sogenannten Power Purchase Agreement (PPA) ohne staatliche Förderung direkt an einen Abnehmer (Endkunden) zu Marktpreisen verkauft, z.B.  für einen Zeitraum von 10 bis 15 Jahren.

Bürgerenergiegesellschaften

Gebote von sogenannten Bürgerenergiegesellschaften  sind ebenfalls möglich. Jedoch darf der Antrag höchstens sechs Windenergieanlagen an Land mit einer installierten Leistung von insgesamt nicht mehr als 18 MW umfassen. Bürgerenergiegesellschaften im Sinne des § 36g EEG sind Gesellschaften, die aus mindestens zehn natürlichen Personen als stimmberechtigten Mitgliedern oder stimmberechtigten Anteilseignern bestehen, bei denen mindestens 51% der Stimmrechte bei natürlichen Personen liegen, die seit mindestens einem Jahr vor der Gebotsabgabe ihren gemeldeten Hauptwohnsitz in der kreisfreien Stadt bzw. im Landkreis haben, in der bzw. in dem die Windenergieanlage(n) entsprechend der Standortangaben im Gebot errichtet werden soll(en) und bei denen kein Mitglied oder Anteilseigner mehr als 10% der Stimmrechte hält. Wegen der nunmehr geringeren Bedeutung wird an dieser Stelle auf eine ausführlichere Darstellung verzichtet.

Die Herausforderungen der Zukunft betreffen eher die Speicher- und Hybridsysteme und den Transport des produzierten Stroms (zu den Hemmnissen und Lösungsansätzen hierzu mehr in einem weiteren Artikel).

Nachhaltigkeitsansatz

Für Investments des Deutschen Mittelstandsanleihen FONDS in Wind- und Sonnenenergie steht dem Fondsmanagement das imug | rating zur Verfügung. Diese Ratingmethode wird für die Beurteilung der Nachhaltigkeit der Investments. Ungeachtet des eigenen Anspruches greift der Fonds damit auch den allgemeinen umweltpolitischen Trend auf, nachhaltige Investments zu fördern. Zusätzlich wird der Fonds mit einem positiven Nachhaltigkeitscheck der einzelnen Investments attraktiv, insbesondere für Investoren aus den Bereichen Versicherungen, Kirchen, Stiftungen und Family Offices, die aus gesetzlichen oder aus ethischen Gründen aufgrund interner Richtlinien in sogenannte „environmental, social, governance (ESG)“ Investments investieren wollen bzw. müssen.