Worauf es bei der Trennung der Spreu vom Weizen ankommt – Teil 2

Bei der Auswahl von Unternehmensanleihen schauen viele Anleger ausschließlich darauf, ob ein Emittent in der Lage ist, während der Laufzeit die Zinsen zu bedienen und am Ende der Laufzeit die Anleihe zurückzuzahlen.

Doch die Zeiten haben sich geändert; es gibt immer häufiger Anleihen, die über individuell auf den Emittenten zugeschnittene Anleihebedingungen verfügen. Bei der Auswahl eines Anleihe-Investments müssen deshalb die Anleihebedingungen genau analysiert werden, damit die Geldanlage am Ende nicht mit einer Nullrendite oder gar mit einem Negativergebnis abschließt.

Gerade bei erfolgreichen Unternehmen wie der Dürr AG, Grand City Properties S.A., MITEC Automotive AG, Karlsberg AG, Deutsche Rohstoff AG oder demnächst vermutlich HELMA Eigenheimbau AG werden durch vorzeitige Kündigungen der Anleihen die Renditeerwartungen bei einigen Anlegern nicht mehr erfüllt. Noch schlimmer: Bei zu hohem Einstandskurs werden Kursverluste realisiert, die im schlimmsten Fall nicht durch laufende Zinserträge bis zum vorzeitigen Kündigungstermin ausgeglichen werden können.

Das von der KFM Deutsche Mittelstand AG entwickelte KFM-Scoring betrachtet deshalb neben den betriebswirtschaftlichen Daten und Fakten des Emittenten immer auch genau die Anleihebedingungen, die Aufschluss über die Attraktivität der Anleihe geben.

Das KFM-Scoring erfolgt – wie in der nebenstehenden Grafik dargestellt – in vier aufeinander aufbauenden Schritten: Nach der Vorselektion, ob ein Unternehmen und dessen Anleihe in das Anlageuniversum des Deutschen Mittelstandsanleihen FONDS passen (Schritt 1), erfolgt in den nächsten beiden Schritten die Wertpapieranalyse (Schritt 2) sowie die Unternehmensanalyse (Schritt 3). Auf Basis der Vorauswahl und der Analysen kann die Anlageentscheidung durch den Anlageausschuss des Fonds getroffen werden (Schritt 4).

Attraktivität der Anleihe wird im Rahmen der Wertpapieranalyse bewertet

Um in das Anlageuniversum des Deutschen Mittelstandsanleihen FONDS zu passen, muss ein Wertpapier bestimmte Voraussetzungen erfüllen, die in Schritt 1 des KFM-Scoring (quantitative Auswahl) überprüft werden. Nach der quantitativen Auswahl ergibt sich aktuell ein Anlageuniversum von etwa 800 Wertpapieren für den Deutschen Mittelstandsanleihen FONDS.

Die qualitative Analyse

In Schritt 2 des KFM-Scoring erfolgt die qualitative Auswahl, in der die Anleihe genau überprüft wird. Denn neben einer guten Bewertung in der Unternehmensanalyse ist es unabdingbar, dass auch die Anleihe selbst attraktiv sein muss, um bis zum Anlageausschuss des Deutschen Mittelstandsanleihen FONDS vorzudringen.

Mit unterschiedlichen Gewichtungen werden in der qualitativen Wertpapieranalyse zahlreiche Kriterien bewertet. Viele dieser Informationen finden sich nur im Wertpapierverkaufsprospekt und in den Anleihebedingungen. Nachfolgende Fragen sind für die Bewertung des Wertpapiers wichtig:

  • Handelt es sich um eine Festzinsanleihe, eine Anleihe mit variabler Verzinsung, eine Wandelanleihe, Hybridkapital oder einen Genussschein? Wie hoch ist der Zinskupon? Handelt es sich um einen festen Zinskupon über die gesamte Laufzeit oder sind Änderungsmöglichkeiten vorhanden? Kann der feste Zinskupon in einen Floater (variabler Zinskupon) geändert werden? Handelt es sich um eine gewinnabhängige Zinszahlung? Bei Wandelanleihen: Wie sind die Wandlungskonditionen?
  • Ist die Anleihe mit Sicherheiten ausgestattet/unterlegt? Wie werthaltig sind diese Sicherheiten?
  • Wie bekannt ist der Emittent am Kapitalmarkt? Handelt es sich um eine „Erstanleihe“ oder hat der Emittent bereits Erfahrung mit Anleihen? Oder wird das Unternehmen bereits selbst an der Börse gelistet?
  • Wie ist die Gesellschafterstruktur? Ist das Unternehmen inhaber- bzw. familiengeführt?  
  • Wie hoch ist das Handelsvolumen der Anleihe an der Börse? Oder gibt es einen Interbankenhandel für dieses Wertpapier?
  • Wie lange ist die Restlaufzeit der Anleihe? Kann der Emittent die Anleihe vorzeitig kündigen und falls ja, wann und zu welchem Kurs? Was sind die Bedingungen für eine vorzeitige Kündigung der Anleihe? Kann auch der Anleihegläubiger kündigen? Und falls ja, unter welchen Voraussetzungen und Konditionen?
  • Wie ist der aktuelle Kurs der Anleihe und wie hoch ist die aktuelle Rendite bis zur nächsten Kündigungsmöglichkeit bzw. bis zum Laufzeitende? Wie wird die Wahrscheinlichkeit der vorzeitigen Rückzahlung eingeschätzt? Wie hoch ist die Rendite bis zur erwarteten Rückzahlung? Ist die aktuelle Rendite attraktiv für den Deutschen Mittelstandsanleihen FONDS?

Tägliche Überwachung unerlässlich - KFM-Scoring gibt Handlungssignale

Die etwa 800 Wertpapiere im Anlageuniversum des Deutschen Mittelstandsanleihen FONDS werden täglich überwacht, denn durch die Veränderung des Börsenkurses einer Anleihe verändert sich auch zwangsläufig deren Rendite und damit die Attraktivität - zum Guten wie zum Schlechten.

Im Februar 2016 gab es bei Anleihen massive Kursrückgänge. Teilweise rutschten die Kurse sogar deutlich unter pari (also unter 100%). Dies führte bei einigen Anleihen – bei unveränderter Unternehmensanalyse – bei der Wertpapieranalyse zu Kaufsignalen.

Das KFM-Scoring gibt aufgrund der täglich ermittelten Bewertung Signale, ob eine Anleihe für den Deutschen Mittelstandsanleihen FONDS attraktiv oder unattraktiv ist.

Kombination aus Unternehmens- und Wertpapieranalyse als Entscheidungsgrundlage

Das KFM-Scoring verbindet die Ergebnisse der Unternehmensanalyse mit den Ergebnissen der Wertpapieranalyse. Denn es schafft weder eine Anleihe mit guter Unternehmensanalyse und schlechter Wertpapieranalyse in das Depot des Deutschen Mittelstandsanleihen FONDS, noch schafft es eine Anleihe mit einer guten Wertpapieranalyse bei gleichzeitig schlechter Unternehmensanalyse. Die Kombination beider Analysen muss überzeugen.

Von den etwa 800 Wertpapieren im Anlageuniversum haben es aktuell nur ca. 5% in das Portfolio des Deutschen Mittelstandsanleihen FONDS geschafft. Nur diese Auswahl genügt den hohen Qualitätsanforderungen des KFM-Scoring sowohl in der Unternehmens- als auch in der Wertpapieranalyse.

Welche dies genau sind, erfahren Sie in der Rubrik FONDS TRANSPARENT.

Hier gelangen Sie zur Kolumne von Prokurist und Leiter Unternehmensanalyse Norbert Schmidt aus dem letzten KFM-Telegramm. Dieser gibt einen Einblick darauf, worauf es bei der Trennung der Spreu vom Weizen (Teil 1) aus Sicht der Unternehmensanalyse ankommt.