Vorzeitige Kündigungsmöglichkeiten von Anleihen beeinflussen die Renditechancen!

Beim Kauf einer Anleihe ist einiges zu beachten. Nicht nur der Blick auf die Unternehmenskennzahlen, die einen Hinweis darauf geben, ob eine Emittentin ihre Verpflichtungen auf die Zahlung von Zinsen und die Rückzahlung der Anleihe bei Fälligkeit leisten kann, ist wichtig. Auch die Anleihebedingungen müssen genau untersucht werden. Viele Bedingungen sind zu bewerten wie z. B. die Ausstattung der Anleihe mit Sicherheiten, der wirtschaftliche Rang der Anleihe, der Zinskupon, bei Neuemissionen der Ausgabekurs der Anleihe oder bei Kauf während der Laufzeit der Börsenkurs der Anleihe. Darüber hinaus gilt es zu prüfen, ob – und unter welchen Voraussetzungen – ein Emittent eine Anleihe vorzeitig kündigen kann.

Die Kündigungsmöglichkeiten sind bei der Berechnung der zu erzielenden Rendite von besonderer Bedeutung. Denn wenn ein Anleihe-Käufer die vorzeitigen Kündigungsmöglichkeiten eines Emittenten außer Acht lässt, kann aus einem vermeintlich attraktiven Kupon ein Negativ-Geschäft werden. Die Auswirkungen solcher vorzeitigen Kündigungsmöglichkeiten werden am Beispiel der 6,25%-Anleihe der SNP-Anleihe (WKN A14J6N) exemplarisch erläutert.

Die Kündigungsmöglichkeiten der SNP-Anleihe

In den Anleihebedingungen der 6,25%-Anleihe der SNP Schneider, Neureither & Partner AG mit Laufzeit von 2015 bis 2020 waren solche vorzeitigen Kündigungsmöglichkeiten vorgesehen. SNP konnte die Anleihe vorzeitig zwischen dem 09.03.2017 und dem 30.06.2017 zu 103%, zwischen dem 09.03.2018 und dem 30.06.2018 zu 102% und zwischen dem 09.03.2019 und dem 30.06.2019 zu 101% des Nennwerts kündigen und zurückzahlen. Die Kündigungserklärung musste mindestens 30 Tage und maximal 60 Tage vor dem Rückzahlungszeitpunkt bekanntgegeben werden. Die Kündigungserklärung musste laut den Anleihebedingungen auf der Website des Unternehmens sowie im Bundesanzeiger veröffentlicht werden.

SNP nutzte die Möglichkeit der vorzeitigen Rückzahlung

Am 23.02.2017 veröffentlichte SNP die Meldung, dass die Anleihe zum 27.03.2017 vorzeitig zu 103% des Nennwertes zurückgezahlt würde. Was bedeutete das für die Rendite der Anleihe? Bei der SNP-Anleihe konnte es für Anleger sogar zu einer Negativ-Rendite kommen, wenn sie die vorzeitigen Kündigungsmöglichkeiten der Emittentin nicht beachteten:


Fall 1: Kauf der Anleihe am 09.03.2015 zum Emissionskurs (100,00%), vorzeitige Rückzahlung am 27.03.2017 zu 103% des Nennwerts

09.03.2015

Kauf der Anleihe (nominal 100.000 Euro)

- 100.000,00 Euro

09.03.2016

Zinszahlung

+ 6.250,00 Euro

09.03.2017

Zinszahlung

+ 6.250,00 Euro

27.03.2017

Zinszahlung zum Kündigungstermin

+ 312,50 Euro

27.03.2017

Rückzahlung zu 103%

+ 103.000,00 Euro

 

 

 

 

Gesamtertrag

15.812,50 Euro

 

Gesamtrendite

15,81%

 

Durchschnittliche Jahresrendite

7,71% p.a.

In diesem untersuchten Fall wurde eine Jahresrendite erwirtschaftet, die höher als der Kupon von 6,25% p.a. war.


Fall 2: Kauf der Anleihe ein Jahr nach Begebung am 09.03.2016 zum Börsenkurs von 104,50%, vorzeitige Rückzahlung am 27.03.2017 zu 103% des Nennwerts

09.03.2016

Kauf der Anleihe (nominal 100.000 Euro)

- 104.500,00 Euro

09.03.2017

Zinszahlung

+ 6.250,00 Euro

27.03.2017

Zinszahlung zum Kündigungstermin

+ 312,50 Euro

27.03.2017

Rückzahlung zu 103%

+ 103.000,00 Euro

 

 

 

 

Gesamtertrag

5.062,50 Euro

 

Gesamtrendite

4,84%

 

Durchschnittliche Jahresrendite

4,61% p.a.

Trotz des Kupons von 6,25% p.a. lag die Rendite in diesem Szenario nur bei 4,61% p.a.


Fall 3: Kauf der Anleihe am 13.02.2017 zum Börsenkurs von 105,18%, vorzeitige Rückzahlung am 27.03.2017 zu 103%

13.02.2017

Kauf der Anleihe (nominal 100.000 Euro)

- 105.180,00 Euro

13.02.2017

gezahlte Stückzinsen (09.03.2016 bis 13.02.2017)

- 5.798,60 Euro

09.03.2017

Zinszahlung

+ 6.250,00 Euro

27.03.2017

Zinszahlung zum Kündigungstermin

+ 312,50 Euro

27.03.2017

Rückzahlung zu 103%

+ 103.000,00 Euro

 

 

 

 

Gesamtertrag

- 1.416,10 Euro

 

Gesamtrendite

-1,28%

 

Durchschnittliche Jahresrendite

-10,63% p.a.

Obwohl der Kupon mit 6,25% attraktiv war und die errechnete Rendite zur Endfälligkeit bei 4,34% p.a. lag, wurde in diesem Fall eine negative Rendite erwirtschaftet!

Die folgende Grafik zeigt den Kursverlauf der 6,25%-Anleihe der SNP Schneider, Neureither & Partner AG an der Börse Frankfurt. Der Anleihe-Kurs bewegte sich dabei permanent über 100%.

Entsprechend dem im obigen Schaubild dargestellten Kursverlauf der SNP-Anleihe ändert sich die zu erzielende Rendite abhängig vom Kauftag und dem zu diesem Zeitpunkt zu zahlenden Kaufkurs, wie das untenstehende Schaubild zeigt. Die schwarze Linie stellt die zu erzielende Jahresrendite bei einer Laufzeit bis zur Fälligkeit dar; die blaue Linie zeigt die zu erzielende Jahresrendite bis zur erfolgten Kündigung zum 27.03.2017 zu 103% des Nennwertes. Bereits ab September 2016 waren im Falle einer vorzeitigen Kündigung teilweise negative Renditen zu befürchten.

KFM-Scoring hat die Kündigungsmöglichkeiten sowie die Kündigungswahrscheinlichkeit permanent im Blick

Die Investments des Deutschen Mittelstandsanleihen FONDS werden mit dem Analyseverfahren KFM-Scoring permanent überwacht. Die Unternehmens-Analyse und die Wertpapier-Analyse stellen ihre Ergebnisse dem Anlageausschuss vor. In puncto vorzeitige Kündigungsmöglichkeiten arbeiten die beiden Analysen besonders eng zusammen. Während die Wertpapier-Analyse die Anleihebedingungen sorgfältig analysiert und die Trends bei Refinanzierungen sowie auf dem Zinsmarkt beobachtet, gibt die Unternehmens-Analyse eine betriebswirtschaftliche Einschätzung ab, für wie wahrscheinlich sie eine vorzeitige Kündigung des jeweiligen Emittenten erachtet. So erhält der Anlageausschuss ein genaues Bild darüber, wie die Einschätzung hinsichtlich einer vorzeitigen Kündigung für die einzelnen Anleihen ist.

Mit SNP-Anleihe Rendite deutlich über dem Zinskupon erzielt

Der Deutsche Mittelstandsanleihen FONDS hatte die 6,25%-SNP-Anleihe bei der Emission im März 2015 zum Ausgabekurs von 100% in das Portfolio aufgenommen. Bereits im Jahr 2016 wurden im Rahmen des aktiven Portfoliomanagements drei Teilverkäufe zu Kursen über 106% des Nennwerts durchgeführt und damit signifikante Kursgewinne realisiert. Im Februar 2017 generierte das KFM-Scoring dann eine Verkaufsempfehlung wegen der hohen Wahrscheinlichkeit einer vorzeitigen Kündigung. Der Deutsche Mittelstandsanleihen FONDS verkaufte Anfang Februar 2017 seinen Restbestand ebenfalls zu Kursen deutlich über dem Rückzahlungsbetrag von 103% (siehe Pressemitteilung vom 07.02.2017). In Summe hat der Deutsche Mittelstandsanleihen FONDS mit der SNP-Anleihe einen Ertrag erwirtschaftet, der deutlich über dem Kupon der Anleihe von 6,25% p.a. lag.

FAZIT: Vorzeitige Kündigungsmöglichkeiten bieten Möglichkeit zur Optimierung der Rendite

Eine gewissenhafte Analyse der Anleihebedingungen ist notwendig. Eine vorzeitige Kündigungsmöglichkeit der Anleihe kann trotz eines attraktiven Kupons zu einer Negativrendite führen. Es besteht aber auch die Chance einen Gesamtertrag zu erzielen, der deutlich über dem Zinskupon liegt und damit die Rendite zu optimieren!