Die Bedeutung der Zinsstrukturkurve für das Fondsmanagement

Die Zinsstrukturkurve für festverzinsliche Wertpapiere gibt die Renditeerwartung der Investoren in Abhängigkeit von der verbleibenden Laufzeit an. Um eine kontinuierliche und attraktive Wertentwicklung des Gesamtportfolios des Deutschen Mittelstandsanleihen FONDS sicherzustellen, achtet das Fondsmanagement sehr genau auf den Verlauf der Zinsstrukturkurve…

Die Zinsstrukturkurve für AA, A und BBB geratete Anleihen stellte sich zum 17.11.2017 wie folgt dar: 

Die obige Abbildung zeigt, dass die Zinsstrukturkurve aktuell steigend ist. D.h. je länger die verbleibende Laufzeit ist, desto höher sind die Renditeerwartungen der Investoren. Daneben wird deutlich, dass die Renditeerwartung auch vom Anleihen-Rating beeinflusst wird. Je besser das Rating, desto geringer ist die erwartete Rendite.

Am Beispiel einer 7-jährigen, A-gerateten Anleihe, die mit einem Kupon genau „auf der Zinsstrukturkurve“ in Höhe von 0,803% p.a. ausgestattet ist, wird nun der erwartete Kursverlauf ermittelt. Es wird vereinfachend unterstellt, dass alle übrigen Parameter wie das allgemeine Zinsumfeld, das Anleihe-Rating und viele andere Faktoren mehr unverändert bleiben. In diesem vereinfachten Fall zeigt sich, dass allein aus der rückläufigen Restlaufzeit ein Kursanstieg für die Anleihe zu erwarten ist.

Dieser Kursanstieg erreicht jedoch im Beispielfall im Jahr 3 und Jahr 4 mit einem Kurs von etwa 102,2% sein Maximum, so dass Investoren, die im Jahr 0 eingestiegen sind, neben den Zinseinnahmen auch Kursgewinne verzeichnen konnten. Hingegen haben Investoren, die im Jahr 3 oder Jahr 4 investieren, zwar laufende Zinserträge, verbuchen jedoch im Beispielfall sukzessive Kursverluste, so dass die Rendite deutlich unterhalb des Kupons liegt.

In folgender Tabelle ist angegeben, welche Renditen für die Investoren erzielbar sind, wenn sie zum gegebenen Zeitpunkt und dem dann erwarteten Kurs investieren und danach zum gegebenen Zeitpunkt wieder verkaufen bzw. die Rückzahlung abwarten. Ein Investor der beispielsweise im Jahr 2 investiert, muss im Jahr 4 den Verkauf durchführen um eine durchschnittliche Rendite pro Jahr über dem Kupon der Anleihe zu erzielen.

Die Verteilung der Gesamtrendite zeigt grafisch, dass Renditen oberhalb des Kupons (grüne Färbung) nur dann erzielbar sind, wenn bereits in einer frühen Phase in die Anleihe investiert wurde. Aus den oben hergeleiteten Erkenntnissen lassen sich folgende Schlüsse für das Fondsmanagement in Zeiten steigender Zinsstrukturkurven ableiten:

  • Renditen oberhalb des Kupons sind nur dann erzielbar, wenn bereits in einer frühen Phase in die Anleihe investiert wurde. Sofern keine vorzeitigen Kündigungsmöglichkeiten bestehen, gilt näherungsweise, dass bis zur Hälfte der Laufzeit investiert werden kann, ohne umgehende Kursverluste zu verbuchen.
  • Je später investiert wird, desto kürzer ist die Haltedauer, in der keine Kursverluste zu erwarten sind. Es gilt, sofern keine vorzeitigen Kündigungsmöglichkeiten bestehen: Je später die Anleihe gekauft wird, desto früher muss vor Laufzeitende verkauft werden, um keine Kursverluste hinnehmen zu müssen.
  • Bestehen vorzeitige Kündigungsmöglichkeiten seitens des Emittenten, ändern sich die Renditebetrachtungen teilweise erheblich. Voraussetzung für vorzeitige Kündigungen können u.a. ein positives Refinanzierungsumfeld und/oder eine positive Bonitätsentwicklung sein.
  • Der erwartete Kursverlauf einer Anleihe ist wesentlich von der Bonitätsentwicklung der Emittentin abhängig. Sofern Rating-Verbesserungen absehbar sind, führen sinkende Renditeerwartungen zu zusätzlichen Kurspotenzialen. Umgekehrt führen Rating-Verschlechterungen zu steigenden Renditeerwartungen und entsprechenden Kursrückgängen.

Neben den oben genannten Einflüssen sind darüber hinaus weitere Einflussfaktoren wie das allgemeine Zinsniveau und Änderungen im Verlauf der Zinsstrukturkurve zu berücksichtigen. Das Fondsmanagement hat entsprechend eine anspruchsvolle interdisziplinäre Aufgabenstellung zu bewältigen, über die im Rahmen des KFM-Scoring wichtige Erkenntnisse sowohl hinsichtlich der Solidität des Geschäftsmodells und der Bonität des Emittenten als auch der Attraktivität der einzelnen Anleihen zugearbeitet werden.

Aktives Management des Deutschen Mittelstandsanleihen FONDS zahlt sich für die Anleger aus

Das Fondsmanagement des Deutschen Mittelstandsanleihen FONDS achtet im Rahmen der Portfoliosteuerung neben den Empfehlungen aus dem KFM-Scoring selbstverständlich auf die oben genannten Faktoren.

Ein gutes Beispiel hierfür ist die Kirk Beauty-Anleihe. Der Deutsche Mittelstandsanleihen FONDS hatte die Anleihe im Juni 2015 im Rahmen der Emission in sein Portfolio aufgenommen und den Bestand im Jahr 2015 zu Kursen knapp über pari kontinuierlich aufgestockt. Ab September 2017 wurde der Bestand sukzessive zu Kursen deutlich über pari mit signifikantem Kursgewinn abgebaut, da die Emittentin ab 15.07.2018 die Möglichkeit hat, die Anleihe zu 104,375% des Nennwertes vorzeitig zurückzuzahlen. In diesem Fall ist also nicht nur die Zinsstrukturkurve von Bedeutung, sondern auch das vorzeitige Kündigungsrecht der Emittentin. Dem Zinsertrag bis zur möglichen Kündigung steht der Kursverlust auf bis zu 104,375% des Nennwertes entgegen, wenn die Anleihe vorzeitig gekündigt wird. Deshalb hat der Deutsche Mittelstandsanleihen FONDS die Anleihe verkauft und damit für seine Anleger neben den während der Haltezeit vereinnahmten Zinsen in Höhe von 8,75% p.a. auch einen signifikanten Kursgewinn erwirtschaftet.

Im Beitrag FONDS TRANSPARENT von Vorstand Gerhard Mayer erfahren Sie mehr zu dieser Transaktion und bei welchen Positionen im Deutschen Mittelstandsanleihen FONDS das Fondsmanagement zuletzt tätig war und das KFM-Scoring Handlungsempfehlungen generiert hat.