KFM-Sonder-Telegramm zu der 7,00%-Anleihe der Metalcorp Group S.A. (WKN A19MDV) und der 8,50%-Anleihe der R-Logitech S.A.R.L. (WKN A19WVN)

 

Angebote im Bundesanzeiger zur Übernahme von Anleihen…

Am 10.01.2020 wurde von Herrn Moritz Mueller ein Angebot zu den Anleihen der Metalcorp Group (WKN A19MDV) und der R-Logitech (WKN A19WVN) im Bundesanzeiger veröffentlicht.

Herr Mueller hat den Inhabern der beiden Anleihen das Angebot unterbreitet, Anleihen im Umfang von jeweils bis zu 10 Mio. Euro zu einem Preis von 80% des Nennwertes anzukaufen.

Die Analysten der KFM Deutsche Mittelstand AG nahmen dies zum Anlass, die Qualität dieser Offerte auf Herz und Nieren zu prüfen.

… haben signifikante Auswirkungen auf Umsatz und Kurse von Anleihen.

Mit Veröffentlichung des Kaufangebotes am 10.01.2020 konnten in beiden Anleihen signifikante Kursverluste erkannt werden. So ist der Kurs der 7,00% Metalcorp Anleihe von 91,00% auf 86,00% gefallen; der Kurs der 8,50% R-Logitech von 91,58% auf 88,01%.

Bei beiden Anleihen wurde eine deutliche Ausweitung der Wertpapierumsätze an allen Börsenplätzen festgestellt. Mit den Kursen vom 15.01.2020 um 16:00 Uhr liegen die Kurse der beiden Wertpapiere noch deutlich über dem Kaufangebot in Höhe von 80%.

Angebote müssen kritisch hinterfragt und analysiert werden…

Das Kaufangebot von Herrn Moritz Mueller (14 Eaton Place, SW1X 8AE London / Fax: +49 221 96986940 / E-Mail: mz.mueller@outlook.com) wirft bei den Analysten der KFM Deutsche Mittelstand AG folgende Fragen auf:

  1. Wie erklärt sich der Kurs von 80% für das Übernahmeangebot bei Kursen von zuvor über 90%?
  2. Warum wird zu Lasten des Verkäufers auf die Vergütung von Stückzinsen verzichtet?
  3. Warum ist dieses Angebot nur bis zum 21.01.2020 befristet?
  4. Wie ist zu erklären, dass lediglich per E-Mail oder per Fax mit Herrn Moritz Mueller in Kontakt getreten werden kann, um etwaige Fragen zu klären?
  5. Warum wird eine Faxnummer mit einer Kölner Vorwahl angegeben, während die Geschäftsadresse in London genannt wird?
  6. Warum wird dieses Angebot anscheinend bewusst nur an einen eingeschränkten Adressatenkreis gerichtet?
  7. Warum kann nur über ein depotführendes Kreditinstitut die unwiderrufliche Annahme dieses Angebotes schriftlich erklärt werden?
  8. Was ist die Motivation, die Annahme dieses Angebotes mit einem Sperrvermerk bei den depotführenden Banken versehen zu lassen?
  9. Handelt Herr Moritz Mueller auf eigene Rechnung oder im Auftrag anderer Investoren?

Die Recherche zur Geschäftsadresse von Herrn Moritz Müller hat ergeben, dass er an der genannten Adresse 14 Eaton Place in London nicht auffindbar ist.

Die Analysten stellten außerdem fest, dass von Herrn Moritz Mueller solche Angebote auch in der Vergangenheit im Bundesanzeiger veröffentlicht wurden.

 

Emittent

WKN

Angebotspreis

Datum der Veröffentlichung im Bundesanzeiger

Börsenkurs bei Offerte

Schlusskurs Börse Frankfurt am 15.01.2020

SANHA GmbH & Co. KGaA

A1TNA7

82,00%

15.10.2019

88,60%

94,50%

Aggregate Holdings S.A.

A184P9

62,00%

26.09.2019

74,00%

85,01%

Südzucker Int. Finance B.V.

A0E6FU

52,00%

03.04.2019

67,30%

89,01%

Capital Raising GmbH

749072

50,00%

29.03.2019

61,00%

80,75%

Ekosem-Agrar AG

A1R0RZ

70,25%

07.02.2018

99,50%

101,85%

Interessanterweise sind auch bei den oben genannten Werten, bei denen eine solche Offerte abgegeben wurde, die Kurse der jeweiligen Wertpapiere in der Folge signifikant im Kurs gefallen.

Die Analysten der KFM Deutsche Mittelstand vermuten, dass:

  1. diese Offerte unbedarfte Anleger so stark verunsichern könnte, dass diese spontan Ihre Wertpapiere an den Börsen veräußern. Dies würde die Kursverluste und die erhöhten Börsenumsätze bei den oben genannten Wertpapieren erklären.
  2. Herr Moritz Mueller offensichtlich das Ziel verfolgt, die Wertpapiere so preiswert wie möglich zu erwerben. Hierzu werden alle sprachlichen Möglichkeiten genutzt, um den Anlegern zu suggerieren, dass Kurse um die 80% ein attraktiver Verkaufskurs sind. Dabei nimmt Herr Mueller in Kauf, dass Anleger sich durch die Veröffentlichung im Bundesanzeiger so verunsichern lassen, dass unbedachte Spontanhandlungen erfolgen. Dies findet auch seinen Ausdruck in dem kurzen Zeitraum seines Angebotes.
  3. eine Beratung durch die depotführende Bank bei etwaigen Fragen zu der Übernahmeofferte nicht erfolgen kann. Auf Grund der Regulierung wird bei den meisten Kreditinstituten auf die Beratung von Einzeltiteln verzichtet.

… bevor Entscheidungen für eine Wertpapier-Order getroffen werden!

Solche Angebote sind immer gründlich und gewissenhaft zu prüfen. Keinesfalls darf sich ein Anleger durch eine solche Offerte verunsichern und psychologisch unter Druck setzen lassen. Aufgrund der relativ geringen Marktbreite und -tiefe bei Mittelstandsanleihen ist die theoretische Gefahr manipulativer Eingriffe in die Kursbildung deutlich erhöht.

Vielmehr sind alle geeigneten Informationsquellen zu nutzen, um sich ein Bild zur Bonität des Unternehmens und der Qualität der Anleihe zu machen. Hierzu eignen sich zum Beispiel die KFM-Barometer der KFM Deutsche Mittelstand AG, die bei neuen Einschätzungen direkt aktualisiert werden.

Anleger sollten Ihre Entscheidungen auf vollständige und valide Informationen stützen. Hierzu bedarf es natürlich transparenter und unmissverständlicher Informationen. Nur auf dieser Grundlage lassen sich auch Anlagenentscheidungen treffen.

Die Methode, den Kurs einer Anleihe durch ein öffentliches Kaufangebot im Bundesanzeiger nach unten zu drücken, ist relativ jung. Es kann natürlich niemandem verboten werden, viel zu niedrige Kurse anzubieten. Aber wenn jemand in engen und wenig liquiden Märkten wiederholt öffentliche Kaufangebote zu unrealistisch niedrigen Preisen abgibt und mit diesem Angebot die begründete Erwartung verbunden ist, dass der Kurs des betreffenden Wertpapiers absackt und schließlich noch auffällige Umsätze zu den niedrigen Kursen erfolgen, dann ist nach unserer Meinung die BaFin gefordert, zu prüfen, ob womöglich ein Fall von Marktmanipulation vorliegt.

Der Anleger darf und muss sich auf die Sicherheit der Kapitalmärkte und die Aufsicht durch die Behörden verlassen können. Er darf daher erwarten, dass die Aufsichtsbehörden diese Angebote auf Marktmissbrauch prüfen und gegebenenfalls einschreiten.

Abgesehen davon gilt: ein Anleger, der sich auf solche Angebote ungeprüft einlässt, riskiert Kursverluste. Die ursprünglich beabsichtigte Rendite verwandelt sich in einen Schaden.